
Neugier genügt
Redaktion: Ingrid König
Reisen in Indien
Take 1: Atmo Mela
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Autor:
Im ersten Sonnenlicht schimmert der Gandak-Fluss wie flüssiges Gold. Hölzerne Nachen setzen auf eine Sandbank über. Das Ufer ist von einem bunten Meer erwartungsfroher Gottessucher überschwemmt, laut schwatzend und rufend, stets in Bewegung. Eine Gruppe stimmt fromme Gesänge an, während sich die ersten Pilger ins eiskalte Wasser tasten. Nachdem der Temperaturschock überwunden ist, tauchen sie unter, um sich von Sünden rein zu waschen. Triefend nass falten sie die Hände vor der Brust und beten zur aufgehenden Sonne.
Take 1: Atmo Mela
Kurz hoch
Autor:
Plötzlich schreckt lautes Trompeten die Zuschauer auf. Wie von Geisterhand bewegt teilt sich die Menge und ein mächtiger Elefant erscheint, geführt von einem Mahaut, dem vertrauten Pfleger. Vorsichtig tastet sich der Dickhäuter das steile Ufer hinab zum Fluss. Mit lauten Befehlen und einem Eisenhaken bringt der Mahaut den Elefant dazu, sich ins flache Wasser zu legen. Unter den Blicken hunderter Schaulustiger bespritzt der Mahaut das Tier mit Wasser und schrubbt seine graue Haut mit einem Stein.
Take 2: Atmo Verkehrschaos
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Autor:
Überfüllte Züge, verstopfte Straßen, nervöse Polizisten – Hunderttausende strömen im November zum Pilgerfest nach Sonepur, einer unscheinbaren Kleinstadt nicht weit von Patna am Ganges, der Hauptstadt des Staates Bihar. Bauern aus nah und fern übernachten in einfachen Baracken oder im Freien am Lagerfeuer. Händler richten sich wochenlang in komfortablen Wohnzelten ein. Selbst für zahlungskräftige Ausländer gibt es in Sonepur kein einziges Hotel, die Tourismusbehörde baut für sie ein Camp mit Bambushütten auf. Seit dem 17. Jahrhundert pilgern die Menschen hierhier zum heiligen Bad und amüsieren sich auf dem Jahrmarkt. Gleichzeitig findet ein Viehmarkt statt, es soll der größte in Asien sein. Hier kann man Papageien, Schlangen, Ziegen, Kühe und Wasserbüffel, Kutschen- und Reitpferde kaufen - und Elefanten.
Take 3: Atmo Viehmarkt
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Autor:
Ein älterer Herr lädt uns zum Plausch. Vor seinem geräumigen Wohnzelt hat er Plastikstühle um einen Tisch gruppiert. Drei seiner Freunde leisten uns Gesellschaft. Ein Diener serviert heißen Tee in Tassen aus Ton. Unser Gastgeber stellt sich als Umesh Kumar Yadav vor. Im Upalghar-Distrikt, rund 90 Kilometer entfernt, besitze er zehn Hektar fruchtbares Ackerland und drei Elefanten.
Take 4: Elefantenbesitzer
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Zitator:
„Elefanten halten wir eigentlich nur zum Spaß, auch wenn es nicht ganz billig ist. Ein Elefant frisst etwa 200 Kilo am Tag - frisch vom Baum geschnittene Zweige, ungeschälten Reis und Zuckerrohr. Für jeden Elefant engagieren wir zwei Pfleger, die ihn täglich baden und füttern. Arbeiten müssen die Elefanten nicht. Gelegentlich leihen wir sie allerdings für eine Hochzeit aus. Die Leute finden es schön, wenn der Elefant dem Bräutigam eine Girlande umhängt. Für sie ist das Tier eine Erscheinung Gottes.“
Take 5: Filmmusik
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Autor:
Reisen in Indien hat stets einen hohen Erlebnisfaktor. Indien ist nicht das bequemste Reiseland, aber doch eines der vielfältigsten und aufregendsten. Eine kleine Auswahl aus dem touristischen Angebot: Trekking in den Höhen des Himalaya, Kamelritte durch die Wüste, Strandurlaub unter Palmen, die Teilnahme an einem Volksfest wie dem in Sonepur, Bildungsreisen und die Besichtigung faszinierender Bauwerke aus längst vergangenen Zeiten.
Take 6: Atmo Flughafenansage
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Autor:
Zugegeben, das Reisen ist hier nicht ganz einfach, verlangt viel Geduld und ein offenes Herz. Mit der Weltsprache Englisch kommt man zwar einigermaßen herum, aber man erreicht damit nur die Gebildeten, und Missverständnisse sind nicht immer auszuschließen. Europäische oder gar deutsche Standards in puncto Hygiene und Sauberkeit darf man hier nicht erwarten. Auch Hotels und Verkehrsmittel sollte man nicht an westlichen Maßstäben messen. Indiens Infrastruktur ist eines der großen Sorgenkinder des Landes.
Take 6: Atmo Flughafenansage
kurz hoch
Autor:
Aber Unannehmlichkeiten werden häufig aufgewogen durch die herzenswarme Freundlichkeit und Gastfreundschaft der Menschen. Viele sind bereit, alles mögliche für das Wohlergehen ihrer Gäste zu tun. Abgesehen von einigen Taxifahrern und Andenkenverkäufern, die ahnungslose Reisende gerne abzocken, hat man in Indien kaum Kriminalität zu fürchten. Dieses Land mit einer Milliarde Gastgebern und einer 5000 Jahre alten Kultur lässt niemanden kalt. Oft erlebt man ein Wechselbad von Faszination und Verzweiflung. Wer jedoch mit wachem Blick und offenem Herzen durch Indien reist, der kann neue Einsichten und ungewohnte Blickwinkel gewinnen.
Take 7: Atmo Bahnhofshalle Atmo
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Autor:
Der Bahnsteig ist so voll, dass man die Eingänge der Waggons kaum ausmachen kann. Da hilft nichts, ich muss mich mit Schimpfen und Knuffen durch das Gewühl vorarbeiten zu meinem Abteil. Schließlich habe ich einen ganzen Tag damit verbracht, eine Platzkarte für diesen Zug zu bekommen. Oh Schreck, in "meinem" Abteil kampieren bereits 12 Fahrgäste zwischen Bergen von Gepäck. Auf den Sitzbänken, am Boden, im Gepäcknetz und erst Recht auf dem Gang drängen sich die Menschen. So überwältigend ist die Enge, dass ich nicht wage, Anspruch auf meinen reservierten Platz zu erheben.
Take 8: Atmo Zugfahrt Atmo
kurz hoch
Autor:
Schließlich rücken die Fahrgäste etwas zusammen und nehmen mich in ihrer Mitte auf. Eigentlich eine nette Gesellschaft – 12 Studentinnen und Studenten, die zum Diwali-Fest ihre Familien besuchen wollen. Sie reißen Witze, singen Lieder, verwickeln mich in philosophische Diskurse. Kaum einer von ihnen besitzt eine Platzkarte. Was kann ein Schaffner inmitten Hunderter von Schwarzfahrern schon ausrichten?
Auch ich kapituliere vor den Verhältnissen und schlucke meinen Zorn über die vergebliche Platzreservierung hinunter. Wer mit über einer Milliarde Menschen zusammen lebt, deren ärmere Hälfte blanke Not leidet, der gewöhnt sich ans Teilen. Du teilst dein Essen mit den Hungrigen und Hauslosen, dein Gehalt mit korrupten Amtsträgern, die ohne Schmiergeld keinen Finger rühren, dein Zimmer mit Moskitos und Geckos. Aber du ergatterst auch in überfüllten Bussen noch einen Platz, bekommst von einem Slumbewohner eine Tasse Tee angeboten, wenn du sein Haus besuchst. Weil alle das Teilen gewohnt sind. Teilen schafft Nähe zwischen den Menschen.
Take 9: klassische Musik Flötenmusik
Autor:
Vor rund 200 Jahren, im Jahr 1819 ging ein britischer Kolonialoffizier im zentralindischen Dschungel auf Tigerjagd. Statt der Raubkatze fand er in einer Schlucht eine Höhle, die eine buddhistische Stupa und detailreiche Wandgemälde enthielt. Der wackere Soldat war auf eine der größten und ältesten Kunstschätze Indiens, ja ganz Asiens gestoßen, die buddhistischen Höhlentempel von Ajanta. Rund 400 km östlich von Mumbai haben im Laufe von 900 Jahren Mönche und Arbeiter 30 Höhlen in eine Basaltwand getrieben, ausschließlich mit Hammer und Meißel. Künstler aus dem ganzen Land verzierten die Höhlentempel mit kunstvollen Gemälden. Die ältesten Höhlen sind über 2000 Jahre alt.
Take 10: Atmo Höhle
Autor:
Wir ziehen die Schuhe aus und steigen über eine Schwelle in die Dunkelheit. Es ist warm und feucht in der Höhle. Stimmen hallen durch die stickige Luft. Wir schauen uns um: In der Absiss am Ende der Halle sitzt ein steinerner Buddha im Lotussitz, von unten dramatisch angestrahlt. Massive Säulen unterteilen den Raum in eine Mittelhalle und zwei Seitenschiffe. Decken und Wände sind tatsächlich mit detailreichen Gemälden bedeckt. Allerdings hat der Zahn der Zeit seine Spuren hinterlassen: An vielen Stellen sind die Figuren nur schwer zu erkennen, große Flächen bestehen nur noch aus farblosem Putz. Doch der Kunstführer Sudhir Wagh erweckt die Bilder zum Leben.
Take 11: Sudhir Wagh
Zitator :
„An dieser Wand wird eine Geschichte aus den früheren Leben des Buddha erzählt, eine sogenannte Jataka. Wenn Sie das Gemälde anschauen, erfahren Sie, wie die Menschen im fünften Jahrhundert aussahen, welche Kleider sie trugen, in was für Häusern sie wohnten. Die Bildgeschichten dienten dazu, den Gläubigen das Wirken Buddhas nahe zu bringen. Sie waren also Glaubensbekenntnis und Lehrmaterial zugleich.“
Autor:
Reisen in Indien, das bedeutet immer auch eine Begegnung mit einer fremden Welt. Hier trifft man auf eine 5000 Jahre lange Kulturgeschichte. In diesem Land wurden zwei Weltreligionen geboren – Hinduismus und Buddhismus. Diese Gesellschaft hat eigene Sitten und Gebräuche entwickelt, und eine einzigartige Weltanschauung. Zur Vorbereitung einer langen Reise etwa erscheint vielen Asiaten ein Tempelbesuch wichtiger als die Inspektion ihres Autos. Hier pflegt man einen sehr gefühlsbetonten Zugang zu den Dingen des Alltags. Fast wie im Bollywood-Film.
Take 12: Atmo Verkehr
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Autor:
Wir sitzen im Taxi. Der Kapitän des klapprigen Vehikels, ein ehrwürdiger Mohammedaner mit weißem Rauschebart, umfährt routiniert alle Hindernisse, die uns in den Weg kommen: einen Tempelelefant auf Wanderschaft, einen mitten auf der Fahrbahn liegengebliebenen Bus der örtlichen Stadtwerke, Schlaglöcher mit den Ausmaßen von Vulkankratern, geöffnete Kanaldeckel. Als ich schließlich schweißüberströmt den Chauffeur um eine langsamere Gangart bitte, erhalte ich eine frappierende Antwort: „Ich bitte Sie – langsam fahren macht doch gar keinen Spaß!“
Take 13: Ghazal, Najma
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