Neugier genügt, 29.8.2007

Redaktion: Kirsten Pape

 

 

 

Klimasünder Indien?

 

Feature von Rainer Hörig

 

 

 

Take 1: Atmo Fischkutter 2004/02 A 450/470

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Sprecher:

Mit gleichmäßigem Tuckern gleitet der kleine Kutter durch den Fluss. Strohgedeckte Lehmhütten ziehen vorbei. Am Ufer beobachten wir spielende Kinder, Kuhhirten und Fischer, die ihre Netze flicken. Vor uns kreuzen pechschwarze, hölzerne Fischerboote, in der Ferne zieht ein riesiges Handelsschiff nach Kalkutta.

 

„ Sunderbans“ – schöner Wald nennen die Bengalen die ausgedehnten Sümpfe im Mündungsdelta der Riesenflüsse Ganges, Brahmaputra und Meghna. Niedrigwachsende Mangrovenbäume, Luftwurzeln und Schlingpflanzen bilden ein undurchdringliches Dickicht. Hier sollen noch etwa 500 bengalische Tiger leben.

 

Take 1: Atmo Fischkutter wieder hoch, darin mischen:

Take 2: Bengalische Volksmusik

Musik vor Sprecherin wegblenden, Atmo Fischkutter bleibt bis zum nächsten O-Ton

 

Sprecherin:

Die Sunderbans, einer der größten Gezeitensümpfe der Welt, war bis vor zweihundert Jahren noch von Menschen unberührt. Britische Kolonialoffiziere siedelten hier Landlose aus den Hungergürteln Bengalens an. Heute leben mehr als 7 Millionen Menschen in dem Flussdelta, das sich Indien und Bangladesh teilen.

 

Nichts ist permanent in den Sunderbans, alles ist im Fluss. Während die Ganges und Brahmaputra ihre Sedimente ablagern und neue Inseln bilden, tragen Meeresströmungen und Sturmfluten das lockere Erdreich wieder ab. Das Leben sei ein ständiger Kampf gegen die Naturgewalten, meint der Bauer Manoranjan Mondal, dessen fünfköpfige Familie auf der Insel Manmathanagar lebt:

 

Take 3: M. Mondal 2004/03 A 585/602

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Zitator:

„Es ist nicht einfach. Während des Monsuns fegen heftige Stürme von der See, die das Meerwasser landeinwärts drücken. Dann steigt im ganzen Delta das Wasser und viele Deiche brechen. Brackwasser strömt in die Dörfer und auf die Felder und macht sie für Jahre unfruchtbar. Das salzige Wasser greift sogar die Fundamente unserer Häuser an und schädigt die Fruchtbäume.“

 

Take 4: Atmo Monsundommer und -regen

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Sprecher:

Bauer Mondal besitzt kein Auto und keine Klimaanlage, er hat niemals in einem Flugzeug gesessen oder ein Deospray benutzt. Doch mit dem weltweiten Klimawandel droht die Existenz seiner Familie buchstäblich ins Wasser zu fallen. Jahr für Jahr steigt der Meeresspiegel im Golf von Bengalen um 2 Millimeter an. Immer häufiger toben tropische Wirbelstürme über den Sunderbans. Wie lange werden sandige Erdwälle die Inseln und ihre Bewohner noch schützen können? Mehrere große Inseln sind in den vergangenen Jahrzehnten auf die Hälfte ihrer Fläche geschrumpft. Im Januar dieses Jahres versank die Insel Lohachara in den trüben Fluten. Mehr als 6000 Menschen zählt das Flüchtlingslager auf der Insel Sagar, das die Flutopfer aufnahm. Der Klimawandel wird hier noch viel mehr Opfer fordern.

 

Take 5: Musikakzent, wie Take 2

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Sprecherin:

Im vergangenen April veröffentlichte der wissenschaftliche Beitrat der Vereinten Nationen seinen jüngsten Bericht zum Klimawandel, der auch in Südasien hohe Aufmerksam erregte. Der Vorsitzende des Wissenschaftlerrats stammt aus Indien. Professor Rajendra Pachauri leitet das private „Energieforschungsinstitut“ in New Delhi und steht seit fünf Jahren dem Weltklimarat vor. Pachauri hat Grund, sich Sorgen um sein Land zu machen.

 

Take 6: Pachauri 2005/07 B 582

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Zitator:

„Die Gletscher im Himalaya zum Beispiel, sie sind auf dem Rückzug. Das heißt, sie schmelzen viel schneller ab als in früheren Jahrhunderten. Wir haben Probleme in der Landwirtschaft, weil die Niederschlagsparameter sich ändern. Bedenken Sie: eine große Anzahl von Bauern sind nach wie vor auf zuverlässige Regenfälle angewiesen. (...) Und natürlich haben wir eine lange Küste, daher machen wir uns große Sorgen um den Anstieg des Meeresspiegels.“

 

Sprecherin:

Das internationale Forschergremium rechnet damit, dass die Temperaturen in Südasien bis zum Jahr 2040 um 1,2 Grad steigen, mit gravierenden Folgen für den Wasserhaushalt und die landwirtschaftliche Produktivität. Bis zum Ende dieses Jahrhunderts sollen die Weltmeere um mindestens 40 Zentimeter ansteigen. Millionen von Küsten- und Inselbewohner würden ihr Land verlieren und zu Flüchtlingen werden. Etwa ein Drittel von Bangladesh droht vom Meer verschluckt zu werden. Indien muss sich also auf Millionen von Umweltflüchtlingen gefasst machen. Doch was, wenn drei der größten Städte des Landes, Bombay, Kalkutta und Madras, alle am Meer gelegen, ebenfalls unbewohnbar werden?

 

Take 7: Atmo Monsundommer und –regen, wie Take 4

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Sprecherin:

Wenn das Abschmelzen der Gletscher im Himalaya fortschreitet, werden sie im Jahr 2035 verschwunden sein. Die Flüsse Ganges, Brahmaputra und Indus würden im Sommer austrocknen. Hungersnöte und Flüchtlingsströme sind zu befürchten. Ernteeinbußen, Flüchtlingsdramen, Naturkatastrophen und Epedemien summierten sich zu einem volkswirtschaftlichen Verlust in Höhe von 5 Prozent des Bruttosozialprodukts, warnt der ehemalige Weltbank-Chefvolkswirt Nicholas Stern. Erste Symptome sind bereits sichtbar:

 

Take 8: B.N. Goswami, Int. 2007/04 A 535/555

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Zitator:

“Die Durchschnittstemperaturen steigen an, das liegt im globalen Trend. Mit steigenden Temperaturen erhöht sich die Wasseraufnahmefähigkeit der Luft und man kann extremere Wetterereignisse vorausahnen. Die neueste Forschung bestätigt, dass sich die Anzahl außergewöhnlicher Wetterereignisse über dem ganzen Land erheblich vergrößert hat in den vergangenen fünfzig Jahren.“

Sprecher:

Professor Bhupendra Nath Goswami ist Direktor des Indischen Instituts für Tropische Meteorologie in der Stadt Pune, des führenden Wetterforschungsinstituts in Indien. Er und seine Kollegen stritten bis vor kurzem noch ab, dass es einen menschengemachten Klimawandel gibt und beriefen sich auf Veröffentlichungen US-amerikanischer Wissenschaftler. Doch nachdem der Klimawandel nun auch in der Hauptstadt New Delhi debattiert wird, spricht Wetterguru Goswami nur noch von einer „Ungewissheit“ über die Rolle des Menschen. Auch er lässt keine Zweifel daran, dass Indien schwere Zeiten bevorstehen:

 

Take 9: B.N. Goswami Int. 2007/04 A 592/662

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Zitator:

„Schwere Regenfälle werden Katastrophen verursachen, Springfluten und Erdrutsche. Es ist möglich, dass in der heißen Jahreszeit Flüsse austrocknen, aber ich glaube nicht, dass es in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren so weit kommen wird.“

 

Take 10: Musikakzent, wie Take 2

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Sprecher:

Nach den jüngsten, schockierenden Berichten des Weltklimarates rückt der Klimawandel auch in Indien ins öffentliche Bewusstsein. Die Medien greifen das Thema nun häufiger auf, Firmen rühmen sich in Anzeigen ihrer Umweltfreundlichkeit. Professor Goswami:

 

Take 11: B.N. Goswami 2007/05 B 017

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Zitator:

“Vor drei oder vier Jahren war Klimawandel hier kein Gesprächsthema. Aber das öffentliche Bewusstsein darüber ist beträchtlich gewachsen, besonders in den Großstädten. Auf dem Land dagegen hat sich noch nichts bewegt. Mehrere Bürgerinitiativen tragen jedoch das Thema in die öffentliche Debatte.“

 

Sprecher:

Aber die komplizierten Zusammenhänge des Weltklimas erschließen sich nur einer kleinen, gebildeten Oberschicht. Die Mehrheit der Bevölkerung sorgt sich um den Lebensunterhalt für den nächsten Tag, hat keine Zeit für düstere Zukunftsprognosen. Die meisten verorten das Problem weit in der Zukunft und fühlen sich nicht zuständig, denn aus indischer Sicht tragen die westlichen Industrieländer die Verantwortung für die Verschmutzung der Erdatmosphäre. Schließlich verbrennen sie seit mehr als hundert Jahren massenhaft Kohle und Erdöl.

 

Sprecherin:

Nur ein Prozent aller Inder besitzen ein Auto. Eine Milliarde Inder produzieren kaum mehr klimaschädliche Emissionen als achtzig Millionen Deutsche. Aber Indien fährt auf der Überholspur!

 

Take 12: Atmo Straßenverkehr 2001/11 B 437

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Sprecher:

Indiens Wirtschaft boomt. Software, Textilien, aber auch Chemikalien und Autos werden in alle Welt exportiert. Jährlich wächst das Bruttosozialprodukt um fast zehn Prozent. Fachleute schätzen, dass Indien in einigen Jahrzehnten zu den fünf größten Volkswirtschaften der Welt zählen wird. Und der Boom fordert Ressourcen: Ackerland wird zu Bauland umgewidmet, Wälder werden gerodet, Flüsse gestaut, Bodenschätze gehoben. Die Planungskommission der Regierung rechnet vor, dass die Stromerzeugungskapazität bis zum Jahr 2031 auf das Achtfache gesteigert werden muss, um das gegenwärtige Wirtschaftswachstum aufrecht zu erhalten.

 

Take 12: Atmo Straßenverkehr 2001/11 B 437

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Sprecher:

Indien ist einer der am schnellsten wachsenden Kraftfahrzeugmärkte der Welt. Die Folge: In Indiens Großstädten kollabiert der Verkehr. In Delhi und Kalkutta leiden 70 % der Bevölkerung an Atemwegserkrankungen. Der mittelständische Unternehmer Sujit Patwardhan, der ein Bürgerforum zu Verkehrsfragen in der Großstadt Pune organisiert, gibt zu Bedenken:

 

Take 13: Sujit Patwardhan 2006/01 B 415

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Zitator:

„Ich freue mich, dass immer mehr Menschen ein Auto kaufen können. Aber ich fürchte auch, Autofahren könnte bald mehr Pein als Freude sein. Unsere Städte ersticken am Verkehr, die Atemluft wird immer schlechter. Parkplätze sind schon jetzt Mangelware. Es kann gut sein, dass sich die Einstellung der Menschen zum Automobil bald ändert.“

 

Sprecherin:

Mit einer boomenden Automobil-Industrie und dem massiven, staatlich geförderten Ausbau der Kohleverstromung braut sich in Indien eine große Hypothek für die Erdathmosphäre zusammen. Daher ist das Land ein wichtiger Verhandlungspartner bei den weltweiten Bemühungen zur Verringerung der Emissionen. Forderungen westlicher Politiker und Umweltschützer, Indien müsse sich auf eine Begrenzung seiner Schadstoffausstöße verpflichten, stoßen hier jedoch auf Unverständnis, sogar bei Umweltschützern. Sunita Narain etwa, die als Leiterin des Öko-Instituts „ Centre for Science and Environment“ die weltweite Klima-Debatte in internationalen Gremien und in den Medien begleitet, ist empört:

 

Take 14: Sunita Narain 2005/07 A 268

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Zitatorin:

„Ich finde das unverschämt. Warum sollten Indien, China oder Brasilien Verpflichtungen eingehen? Indien, China und Brasilien werden ganz sicher mehr Energie verbrauchen, werden bestimmt die Atmosphäre verschmutzen und noch mehr klimaschädliche Gase ausstoßen. Aber all das war auch schon in den Neunziger Jahren bekannt, und daher einigte man sich darauf, dass etwa Europa seine Emissionen reduziert, damit wir unsere steigern können. Das verlangt die weltweite Gerechtigkeit. Wir kamen überein, dass Europa, Amerika, Australien und Japan ihre Verschmutzerrechte überschritten haben. Und dass wir den ökologischen Freiraum benötigen, damit auch wir verschmutzen können. Wir haben unser Recht zum Verschmutzen im wahrsten Sinne des Wortes eingeklagt, wenn man es krass ausdrücken will.“

 

Sprecher:

Die Leiterin des Öko-Instituts verteidigt einen nationalen Konsens: Indien habe wie alle anderen Länder das Recht auf wirtschaftliche Entwicklung und Wohlstand. Die wohlhabenden Industrieländer müssten ihre Emissionen erheblich reduzieren, um für die Länder des Südens den klimarelevanten Spielraum zur Industrialisierung bereit zu stellen. Doch die Reichen hätten bisher glatt versagt, meint auch der Klimaforscher Rajendra Pachauri:

 

Take15: R. Pachauri 2005/07 B 664

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Zitator:

„Die Industrieländer haben nicht genug getan. Offen gesagt hat das den Verdacht genährt, die entwickelten Länder hätten kein Interesse am Klimaschutz. Einige Politiker dort sagten sogar, für sie kämen Änderungen im Lebensstil garnicht in Frage. Das führt ganz klar zum Schluss, dass die Last des Klimawandels von den sich entwickelnden Ländern getragen werden solle. Aber das ist etwas, das die Länder des Südens auf keinen Fall akzeptieren können.“

 

Sprecher:

Während des G 8-Treffens in Heiligendamm im vergangenen Juni lehnte der indische Premierminister Manmohan Singh Forderungen nach verbindlichen Reduktionszielen für sein Land strikt ab. Seine Versicherung, Indien werde den Pro-Kopf-Ausstoß klimaschädlicher Gase in den Industrieländern nicht überschreiten, mag vielleicht ein kluger Schachzug im internationalen Klimaspiel gewesen sein, Freunde hat sich der Premier damit nicht gemacht. Denn es ist ein offenes Geheimnis: Je mehr sich das Wohlstands- und Konsumniveau der Milliardenvölker Chinas und Indiens dem der postindustriellen Gesellschaften des Westens annähert, desto näher rückt der Kollaps des Planeten Erde.

 

Take 16: Musikakzent, wie Take 2

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Sprecherin:

Indische Umweltschützer wie Sunita Narain fordern die Regierung auf, hart mit den Industriestaaten zu verhandeln, aber auch eigene Anstrengungen zur Rettung des Klimas einzuleiten. Auch in der Wirtschaft reift die Einsicht, Indien könne sich mit zunehmender Integration in den Weltmarkt seiner Verantwortung nicht länger entziehen.

 

Take 17: G.M. Pillai, Int. 2007/05 B 378/347

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Zitator:

“Der Klimawandel macht nicht vor Staatsgrenzen halt, er verschont niemanden. Ich denke, Indien sollte auch zur Emissionsminderung beitragen. Natürlich muss sich unser Land entwickeln, die Armut beseitigen, aber dieses Ziel kann auch ohne Kohle erreicht werden. Wohlstand kann man auch mit nachhaltigen Energien schaffen. Alle erneuerbaren Energietechniken zusammen besitzen in Indien ein Potential von mehreren hunderttausend Megawatt, könnten also den derzeitigen Strombedarf leicht decken.“

 

Sprecher:

Madhusoodan Pillai verbreitet die Aura eines dynamischen Managers. Früher leitete er die Stromregulierungsbehörde in Bombay, heute Mumbai genannt. Heute führt der ehemalige Spitzenbeamte ein Institut, das sich die Verbreitung erneuerbarer Energien auf die Fahnen geschrieben hat. Er versteht sich als Trendsetter.

 

Take 18: G.M. Pillai Int. 2007/05 B 280

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Zitator:

„Seit vier bis fünf Jahren entwickeln sich erneuerbare Energien rasend schnell. Den Vorreiter spielt die Windenergie, aus dem einfachen Grund, weil sie wirtschaftlich konkurrenzfähig ist, also auch in puncto Kosten konventionelle Energiequellen wie Kohle in den Schatten stellt. Indien ist heute der Welt viergrößter Erzeuger von Windenergie!“

 

Sprecher:

Chronische Energieknappheit bewog die indische Regierung schon in den siebziger Jahren, ein eigenes Ministerium für erneuerbare Energien einzurichten. Heute drehen sich hier Tausende von Windmühlen, kochen Millionen von Bäuerinnen mit Biogas das Essen, nutzen Haushalte massenweise Solaranlagen zur Heißwasserbereitung. Die Regierung propagiert das Anpflanzen ölhaltiger Jatropha-Bäume auf landwirtschaftlich nicht nutzbaren Flächen, um aus ihren Früchten Biodiesel zu gewinnen.

 

Erneuerbare Energien könnten den Schlüssel liefern, um wirtschaftliche Entwicklung und Klimaschutz in Indien miteinander zu versöhnen, aber sie sind kein Allheilmittel. Im großindustriellen Maßstab eingesetzt brauchen sie nämlich viel Platz, und der wird in Indien immer knapper. Schon protestieren Dorfbewohner gegen die Übernahme ihres Gemeindelandes durch Windparks und Bioenergie-Pflanzungen. Sie fragen: Sollen jetzt ausgerechnet die Armen für die Rettung des Klimas bezahlen?

 

Sprecherin:

Vor wenigen Wochen, im August 2007 erlebte das östliche Indien sowie die Nachbarländer Nepal und Bangladesh eine der schlimmsten Flutkatastrophen der vergangenen Jahrzehnte. Hunderte von Menschen starben, Millionen wurden obdachlos. Allmählich wird auch in Südasien einer breiten Öffentlichkeit bewusst, welche Gefahren mit dem Klimawandel auf die Menschen zukommen. Die jünsten Berichte des UN-Klimarats sowie die internationalen Beratungen rund um den Gipfel von Heiligendamm erhöhen den Druck auf die Politiker, geeignete Maßnahmen zur Reduzierung der Emissionen und zur Anpassung an den Klimawandel einzuleiten. Verstärkte Bemühungen der Kraftfahrzeughersteller, die Schadstoffausstöße ihrer Produkte zu begrenzen, zeigen, dass die Botschaft auch in der Wirtschaft ankommt. Die Industrieländer müssen im Klimaschutz vorausgehen. Wenn sie darüber hinaus Hilfen finanzieller und technischer Art anbieten, könnten sie Ländern wie Indien den Weg zu einem effektiveren Klimaschutz ebnen.

 

Take 19: Musik, wie Take 2